Zitat des Monats Juni

Das war wohl nichts, Herr Bachmann !! Entweder hat dieser Typ keine Ahnung, wie globale Politik funktioniert oder er ist halt gekauft, eins von beiden, sucht es Euch aus. Ich selbst gehe davon aus, dass Bachmann gekauft ist und für den Verfassungsschutz arbeitet, um die patriotische Bewegung im Zaum zu halten. Jeden Montag in Dresden im Kreis zu marschieren ist nämlich total harmlos und absolut impotent, aber das gefällt Herrn Bachmann.

Vergesst Pegida !! Und vergesst Bachmann !! Das ist ein Anti-Patriot !!

Carsten Schulz, „Wahrheitsforscher und Anarchist“

“Sackgang Kid” – der Comic von Max Rademann und Michael Bittner

Sackgang Kid TeaserSoeben erschienen ist “Sackgang Kid”, der erste gemeinsame Comic von Max Rademann und Michael Bittner. Das “heitere Album für Eltern und Kinderhasser” präsentiert einige Szenen aus dem Leben eines Jungen, der nicht eben Werbung für die Fortpflanzung der menschlichen Art macht. Die Zeichnungen des Heftes stammen von Max, die Texte von Micha, das Layout übernahm Ringo Jarke. Erwerben kann man den Comic zum Preis von 6 Euro bei allen Auftritten der beiden Macher, in Dresden auch im Buchladen Büchers Best und im Plattenladen Fat Fenders. Interessenten in der Ferne bestellen das Heft einfach per Mail an: kontakt@saxroyal.de.

Donnerstag, 9. Juni: Lesebühne Sax Royal in der scheune

Sax Royal 2013_4 Christiane MichelDie Dresdner Lesebühne Sax Royal ist seit über elf Jahren in der scheune monatlich zugange und wartet doch noch immer mit jugendfrischen Ideen und pubertären Späßen auf. Die fünf Stammautoren sorgen mit ihren gewitzten Texten über die Nöte der Liebe, der Arbeit und der Kunst bei ihren Fans verlässlich für Heiterkeit und Freude. Bei einigen Spießbürgern Sachsens hingegen sorgen sie für Magenverstimmung und Volkszorn.

Bei ihrer letzten Ausgabe vor der Sommerpause am Donnerstag, den 9. Juni, sind noch einmal alle Stammautoren mit dabei: der nach Berlin verschlagene Satiriker Michael Bittner, der Leipziger Liedermacher und Gedankenakrobat Julius Fischer, der versierte Erzähler und Lyriker Roman Israel, der Erzgebirgschronist und Neustadtliebling Max Rademann sowie Stefan Seyfarth, der dichtende und singende Erzieher. Wie immer dürfen sich die Zuschauer nicht nur auf Geschichten und Gedichte, sondern auch auf Lieder, Filme oder gar noch ausgefallenere Überraschungen freuen.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 9. Juni | Donnerstag | 20 Uhr | Vorverkauf: 5 Euro, Abendkasse: 5/7 Euro

Literaturtipp: Livelyrix Poetry Slam am Donnerstag in der scheune

Beim letzten Livelyrix Poetry Slam vor der Sommerpause messen sich am Donnerstag (2. Juni) in der scheune noch einmal Wortkünstler aus Dresden und dem Rest der Welt im literarischen Wettbewerb. Das Publikum entscheidet am Ende, welcher Autor oder welche Autorin mit ihren Geschichten oder Gedichten am überzeugendsten war. Es moderieren Stefan Seyfarth und – zum letzten Mal – Michael Bittner.

André HerrmannMit dabei sind diesmal u.a. André Herrmann (Foto) und Julius Fischer aus Leipzig. Gemeinsam gewannen die beiden als “Team Totale Zerstörung” bereits zwei Mal die deutschsprachige Poetry-Slam-Meisterschaft. Diesmal treten sie aber gegeneinander an. Ebenfalls aus Leipzig kommt Franziska Wilhelm. Die Autorin der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz hat mir ihrem ersten Roman “Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen” einen schönen Erfolg gefeiert. Auch Roman Israel hat mit “Caiman und Drache” bereits einen Roman veröffentlicht. In Dresden ist er auch bestens bekannt als Mitglied unserer traditionsreichen Lesebühne Sax Royal.

Livelyrix Poetry Slam | 2. Juni | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro, Abendkasse: 6/8 Euro

Zitat des Monats Mai

„Wer hattn jetze eijentlich jewonn?“

„Ick jloobe Madrid!“

Gespräch zweier Berliner nach dem Finale der Champions League

Freitag, 20. Mai: Lesebühne Sax Royal zu Gast im Haus Schminke in Löbau

Sax Royal im Hygiene-Museum 2014Am Freitag (20. Mai) gastiert unsere Lesebühne Sax Royal erstmals in Löbau. Im Haus Schminke präsentieren wir ab 19 Uhr ein Programm mit einer Auswahl unserer schönsten und lustigsten Werke aus den letzten Jahren. Das Publikum darf sich auf Geschichten, Gedichten und Lieder zwischen Tiefsinn und Hochkomik freuen. Heitere Texte über den Wahnsinn des Alltags gehören ebenso zu unserem Programm wie satirische Angriffe auf die Weltordnung. Humoristischer Ausbruch und intellektueller Anspruch schließen sich dabei nicht aus, sondern finden zueinander wie die Faust und das Auge.

Vier Autoren sind mit dabei: Der gebürtige Löbauer Roman Israel lebt als freier Autor in Leipzig. Seine Geschichten und Gedichte zeichnen sich durch feine Beobachtungsgabe und grotesken Humor aus. Zuletzt erschien sein von der Kritik gelobter historischer Roman “Caiman und Drache”. Ebenfalls aus der Oberlausitz stammt Michael Bittner, den es inzwischen nach Berlin verschlagen hat. Er schreibt bevorzugt satirische Texte und ist in Sachsen auch als Kolumnist der Sächsischen Zeitung bekannt. Eine Auswahl seiner besten Geschichten erschien in dem Buch “Wir trainieren für den Kapitalismus”. Noch immer in Dresden lebt der Autor, Zeichner und Musiker Max Rademann. Der Sohn des Erzgebirges ist nicht nur komischer Chronist seiner Heimat, sondern schildert auch das Leben der Bohème mit philosophischem Witz. Besonders für die Lyrik bei Sax Royal zuständig ist schließlich der Dresdner Poet Stefan Seyfarth. Seine Gedichte sind vom Rap ebenso inspiriert wie von der Sächsischen Dichterschule.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 20. Mai | Freitag | 19 Uhr | Haus Schminke | Vorverkauf: 5 Euro, Abendkasse: 6/8 Euro

Donnerstag, 12. Mai: Unsere Lesebühne Sax Royal in der scheune

Sax Royal 2013_8 Christiane MichelIm Wonnemonat Mai beschenkt unsere Dresdner Lesebühne Sax Royal am Donnerstag, den 12.5., ihre Fans in der scheune wieder mit einem Blumenstrauß der Poesie. Der enthält rosige Liebeslieder ebenso wie dornige Pamphlete, dazu wie immer sehr bunte Geschichten, die querbeet alle Themen des Alltags auf heitere Weise behandeln.

Mit dabei sind folgende Stammautoren: Max Rademann, der Chronist des berauschenden Neustädter Nachtlebens, Michael Bittner, der in Berlin wohnende Kolumnist und Satiriker sowie Roman Israel, der kompromisslose Romancier und Lyriker aus Leipzig. Außerdem erwarten wir diesmal gleich zwei Gäste: Das ist zum einen der Leipziger Schriftsteller Hauke von Grimm. Hauke ist in seiner Heimatstadt Autor der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz, einer der erfolgreichsten Lesebühnen Deutschlands. Seine Erzählungen sind u.a. in dem Buch Fracht (Edition PaperONE) erschienen. Als zweiter Gast beehrt uns sodann erstmals die junge Dresdner Autorin Sophia Güttler, die in ihren Texten Witz und Sprachakrobatik gekonnt verbindet.

Sax Royal – die Dresdner Lesebühne | 12. Mai | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 5 Euro, Abendkasse: 5/7 Euro

Die Sprachpolizei informiert (2): Gegen den Rant

Es ist dumm, Neuerungen abzulehnen, nur weil sie aus den USA stammen. Aber nicht jede Neuerung, die aus Amerika zu uns kommt, ist begrüßenswert. Seit einer Weile begeistert eine neue Textsorte namens „Rant“ das Internet. Benötigen wir dieses neue Genre? Kamen wir bislang nicht auch ganz gut mit Pamphlet, Polemik und Pasquill aus? Das Oxford Dictionary verrät, das Wort „rant“ bezeichne eine Tätigkeit folgender Art: „speak or shout at length in a wild, impassioned way“. Wer einen „Rant“ von sich gibt, der will also offenbar wüten und schimpfen. Mein altes Schulwörterbuch bietet eine Übersetzung an, die vielen Beiträgen im Netz sogar noch besser gerecht wird: „Phrasen dreschen“. Denn einige Autorinnen und Autoren nehmen das Wort wörtlich und verschriftlichen bloße Motzerei. Regelmäßig entspricht die Sorglosigkeit im Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik dabei der Schlampigkeit des Denkens. Solche Texte beweisen einmal mehr, dass es eben keine gute Idee ist, das Internet als Medium virtueller Mündlichkeit zu verstehen und im Netz so zu schreiben, wie man auf der Straße spricht.

Viele Beispiele könnte man zitieren. Ich wähle in unfairer Weise nur eines aus: Sebastian Bartoschek hat im Blog Ruhrbarone jüngst einen Beitrag mit dem Titel Wir sind die Irrelevanten! publiziert. Er beginnt so:

Ich halte es nicht mehr aus: die Rechtsradikalen sind europaweit auf dem Vormarsch. In Österreich die FPÖ, in die Deutschland die AfD, in Ungarn regiert bereits ein Viktor Orban und in Polen das PiS-Pack. Und was tun wir? Wir diskutieren über Gendersternchen, die vermeintlichen Gefahren von Freihandel und Veganismus. Es ekelt mich an – ich muss ranten. Oder damit die FAZ-Leser es auch verstehen: das hier wird ein übellauniger Kommentar.

Wer könnte diese Verzweiflung nicht nachfühlen? Aber zu welchen Schlüssen führt uns der Autor?

Die Dreckssäcke vom „Islamischen Staat“ ermorden Hunderte bei Terroranschlägen in Europa. Die Menschen haben Angst. Und wir diskutieren über den Islam. In Talkrunden, Kommentarspalten und Sozialen Medien. Analysieren, wägen ab, zeigen uns empört, sind überrascht, dass wir Muslime im Land haben, und stellen fest, dass Muslime Muslime töten. Statt ernsthaft etwas zu tun. Wir sind immer noch zu feige, gegen den Islamischen Staat vorzugehen. Weil der menschenverachtende Pazifismus der Wohlfühlboheme lieber tote Araberkinder in Kauf nimmt, statt selbst in einen schmutzigen Krieg einzusteigen.

Wie soll man diese Worte deuten? Sollen wir aufhören, differenziert über den Islam zu diskutieren? Und stattdessen endlich militärisch in den schmutzigen Krieg gegen den IS einsteigen? Weil, wer gegen einen solchen Krieg stimmte, für den Tod von Araberkindern verantwortlich wäre? Wird Sebastian Bartoschek sich bald freiwillig bei der Bundeswehr zum Auslandseinsatz melden? Nein? So waren die Worte gar nicht gemeint? Sie sollten überhaupt nichts Konkretes bedeuten, der Autor wollte nur ein bisschen „ranten“? Genau das hatte ich befürchtet.

Den argumentativen Zusammenhang von Sebastian Bartoscheks Beitrag zu rekonstruieren, erweist sich als schwierig. Womöglich hat er einen solchen Zusammenhang gar nicht erst konstruiert. So viel versteht man: Eine intellektuelle „Pseudoelite“ diskutiert über nebensächlichen Firlefanz wie Veganismus, Diskriminierung oder geschlechtergerechte Sprache, statt sich um die wirklich „großen Themen“ zu kümmern und auch „die Mehrheit der Deutschen“ und den „kleinen Mann“ anzusprechen. Wer nun aber nach handfesten, materiellen Ursachen für die beklagte „Spaltung“ der Gesellschaft sucht, der irrt. Die „soziale Gerechtigkeit“ ist nach Meinung des Autors nämlich nur ein „leerer Begriff“. Nein, das Problem ist das Sprechen, spricht Sebastian Bartoschek. Die Leute müssten einander endlich wieder zuhören und verstehen! Ob ihnen das früher je schon einmal gelungen ist, im Zweiten Weltkrieg, im Mittelalter oder im Paradies, bleibt leider ungeklärt. Ein Umbau der Gesellschaft ist jedenfalls nicht nötig. Die „radikale Linke“ weiß ja auch nur, wie man „Autos abfackelt oder Menschen bedroht“. Wir müssen aber versuchen, „die Herzen der Menschen zu gewinnen“. So sind wir am Ende glücklich bei der politischen Romantik angelangt. Sie wird in Deutschland seit Jahrhunderten von Autoren produziert, die nach unpolitischen Lösungen für politische Probleme suchen. Wenn sich doch die Menschen nur alle wieder lieb hätten! Die Welt wäre geheilt!

Da das Ergebnis auch den Autor unbefriedigt lässt, immunisiert er sich noch durch Selbstironie gegen Kritik: „Ich bin nicht besser.“ „Und noch eins: dieser Text bringt wahrscheinlich auch nichts. Ausser, dass ihr mir ein paar Minuten beim Schimpfen zuhören musstet.“ Nicht einmal hier können wir Sebastian Bartoschek ganz zustimmen: Wir mussten nicht zuhören, sondern lesen – das schmerzt noch mehr.

Der „Rant“ verführt viele Autorinnen und Autoren zu hysterischem Gezeter, Wutgeschnaube und Betroffenheitsgeheule. Von alldem haben wir aber schon genug. Eine gute Polemik erfordert genau das Gegenteil: gelassene Heiterkeit und Sorgfalt. Aufregung hilft nicht beim Schreiben, künstliche Aufregung erst recht nicht. Polemik erfordert außerdem Haltung. Wer nur verzweifelt und ratlos ist, der schweige besser. Und ein literarischer Angriff sollte sich immer auf ein konkretes Ziel richten. Wer alle anklagt, trifft keinen.

Aus den genannten Gründen plädiere ich dafür, die Textsorte „Rant“ wieder abzuschaffen.

Michael Bittner

Literaturtipp: Livelyrix Poetry Slam am Donnerstag (5. Mai) in der scheune

marvin-ruppert-bc3bchne-2015-vanessa-komischkeDer traditionsreichste Dichterwettkampf Dresdens lädt am 5. Mai wieder in die scheune. Beim Livelyrix Poetry Slam messen sich wieder zehn Poetinnen und Poeten aus Dresden und der ganzen Republik mit lustigen Geschichten, mitreißenden Gedichten, Rap-Poesie oder politischer Satire. Das Publikum entscheidet über den Sieger per Applaus. Es moderieren Michael Bittner und Stefan Seyfarth.

Diesmal mit dabei ist u.a. der Marburger Marvin Ruppert (Foto: Vanessa Komischke), der besonders für heitere und kluge Geschichten bekannt ist. Im Buch „Ich mag Regen“ hat er die schönsten von ihnen auch schon veröffentlicht. Am Start ist außerdem Julia Eckert. Die Berliner Poetin ist zum ersten Mal in der scheune mit dabei. Das gilt auch für Björn Gögge aus Essen. Der junge Mann macht auch Musik, feiert aber seit einigen Jahren auch Erfolge auf den Bühnen des Poetry Slams. Mit dabei ist sodann auch Leticia Wahl. Die Lyrikerin aus Marburg trägt in gekonnter Weise mitreißende Gedichte vor.

Livelyrix Poetry Slam | 5. Mai | Donnerstag | 20 Uhr | scheune | Vorverkauf: 6 Euro, Abendkasse: 6/8 Euro

Die Sprachpolizei informiert (1): Ironie für Idioten

Das finde ich echt witzig. Nicht.

Ich kann mit Worten kaum beschreiben, welcher Unwille mich übermannt, wenn ich so einen Satz lesen muss. Eine körperliche Übelkeit schüttelt mich beim Anblick dieses Sprachverbrechens. Leider lese ich Sätze wie diesen inzwischen auch in Texten sonst durchaus respektabler Menschen. Ich will versuchen zu erklären, warum solche Äußerungen unbedingt zu unterlassen sind. Es handelt sich, kurz gesagt, um Ironie für Idioten. Eine andere, nicht minder schlimme und nicht minder häufige Form von solch falscher Ironie ist die folgende:

Das finde ich echt „witzig“.

In beiden Fällen möchte der Schreiber ironisch sprechen, aber er scheut die Doppeldeutigkeit, die mit echter Ironie nun einmal verbunden ist. Darum ergänzt er sicherheitshalber Markierungsstriche oder ein Dementierungswörtchen. Der Schreiber möchte sicher gehen, dass auch jeder versteht, was wirklich gemeint ist. Dadurch aber wird die ganze Aussage platt und überflüssig. Denn eine Ironie, die nicht missverstanden werden kann, ist gar keine. Gelungene Ironie versetzt den Leser in Unsicherheit und Zweifel, regt den Spießbürger auf, der doch ein Recht zu haben glaubt, genau zu erfahren, was denn „der Autor eigentlich meint“. Aber Ironie ist eben eine Form uneigentlichen Sprechens. Das erst macht sie subversiv und witzig. Die falsche Ironie gleicht dem Trottel, der beständig zwinkert, während er einen Witz erzählt, und danach auch gleich noch die Pointe erklärt.

Eine falsche Definition von Ironie, die schon in der Schule gelehrt wird, begünstigt das Sprachverbrechen: Ironie sei es, wenn man das Gegenteil von dem sagt, was man eigentlich meint. Keine Erklärung könnte der Wahrheit ferner sein. Ironie möchte gar nichts meinen, sondern in heiterer Weise Zweifel wecken und Fragen aufwerfen. Ironie ist die sprachliche Form des skeptischen Denkens. Es gibt verschiedene Formen der Ironie, die alle von der Skepsis ihre Energie beziehen. Mit kritischer und sarkastischer Ironie weckt man Zweifel an Gewissheiten von Gegnern, deckt ihre Irrtümer und Lügen auf. Charakterliche Größe erfordert die Selbstironie, mit der man dem Publikum eigene Unsicherheiten, Grenzen und Schwächen zeigt. Die höchste Stufe erreicht aber die philosophische Ironie, die Zweifel an der Erkennbarkeit der Welt überhaupt zum Ausdruck bringt und die Gebrechlichkeit der menschlichen Natur offenbart. (Die philosophische Ironie kann wachsen bis zur religiösen, romantischen Ironie, die alle irdischen Gewissheiten verlacht und Wahrheit nur in Gott findet.)

Das ironische Sprechen pervertiert derjenige, der es gar nicht als Ausdruck von Skepsis gebraucht, sondern bloß dazu, irgendeine persönliche Meinung in die Welt zu trompeten und sich dabei auch noch gewitzt vorzukommen. Jedem solchen Freund der Ironie für Idioten sollte man allezeit ganz ohne Ironie sagen: Du bist nicht witzig.

Michael Bittner

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